Ärztliche Arbeitsteilung im Krankenhaus soll forciert werden

Gesundheitsexperten: Chefärzte dürften an Einfluss verlieren

(pte/ehj.vt) – Patienten werden immer stärker als Kunden im Gesundheitssystem gesehen. Die private Rhön-Klinikum AG http://www.rhoen-klinikum-ag.com hat daher ein neues Bild vom “Klinikarzt der Zukunft” entworfen. Die ärztliche Arbeitsteilung im Krankenhaus soll forciert werden – zum Nutzen der Patienten und zum “Nachteil” der Chefärzte. Wie das Deutsche Ärzteblatt http://www.aerzteblatt.de berichtet, soll es in Zukunft nach den Vorstellungen von Röhn-Vorstandschef Wolfgang Pföhler vier Arzttypen geben. Ein personenbezogener Berater übernimmt die Patientenführung in der Klinik.

Ausgestattet mit den Qualifikationen eines Allgemeinmediziners, steht er den Patienten als “erster Ansprechpartner und Lotse” zur Verfügung. Für die eigentliche Behandlung ist ein Spezialist mit differenzierten Einzelfunktionen zuständig. Einem Systembetreuer obliegt die Optimierung der Prozesskette im Krankenhaus. Und ein Beratungsspezialist soll sich auf die Abgabe von Zweitmeinungen konzentrieren, um im Dialog mit anderen Spezialisten Diagnose und Therapie zu verbessern.

Die zwangsläufige Folge: Sollten diese Pläne umgesetzt werden, droht den Chefärzten ein Kompetenzverlust. Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund http://www.marburger-bund.de, äußerte sich laut Ärzte-Zeitung skeptisch zu diesen Vorhaben. “Ich halte eine verstärkte Differenzierung für richtig, dabei sollte man aber auf Bewährtes zurückgreifen”, so Montgomery. “Und vor allem sollte man nicht unter dem Vorwand einer Leistungsspezialisierung versuchen, Machtverschiebungen im Krankenhaus zu eigenen Gunsten zu organisieren.”

Positiver artikulierte sich Michael Sander von der Lindauer Unternehmensberatung Terra Consulting Partners (TCP) http://www.terraconsult.de. Im Gesundheitswesen scheine man allen Unkenrufen zum Trotz den Versicherten oder Patienten als Kunden zu entdecken. Im Sektor der Krankenkassen vollziehe sich ein deutlich sichtbarer Wandel hin zur Kundenorientierung. “Auch im Bereich der Leistungserbringer vollzieht sich dieser Wandel”, so Sander. “Hier allerdings angetrieben durch die Privaten, und zwar vor allem im Sektor Krankenhäuser.

Die Diskussion um Lean Hospital Management ist ein aktuelles Beispiel und insbesondere die Idee, verschiedene Arzttypen entsprechend den Bedürfnissen der Patienten im Krankenhaus zu integrieren. Es stellt sich die Frage, ob Konzepte, die bei anderen Dienstleistern, zum Beispiel in der Banken- und Versicherungsbranche, funktionieren, auf den Krankenhaussektor übertragbar sind. Ein Key Accounter, wie es dem personenbezogenen Berater als Arzt entspricht, funktioniert als Ansatz sehr gut; zum Beispiel in Einkaufsorganisationen von Industrie und Handel oder auch als Betreuungsansatz von vermögenden Privatkunden im Finanzgewerbe. Hier steht allerdings die langfristige Beziehung im Vordergrund.

Wie das auf ein Krankenhaus mit einer Vielzahl von Einweisungen von leichten bis schweren Fällen zu übertragen wäre, bleibt bislang unbeantwortet.” Auch habe kein Patient die Absicht, die Kundenbeziehung zu seinem Krankenhaus länger als irgend nötig aufrecht zu erhalten. Insofern müsste dieses Instrument sehr stark abgewandelt werden, da es im Krankenhausalltag für die Standard- und Routinefälle viel zu aufwändig in der Organisation erscheint.

Sander weiter: “Die Integration eines Beratungsspezialisten für Zweitmeinungen ist ein interessanter Ansatz, der vor allem bei komplexen Fällen und unter Einsatz von telemedizinischen Instrumenten sinnvoll integriert werden könnte. So wie in flachen Unternehmensorganisationen jede Führungskraft zwischen Organisations- und Fachverantwortung je nach Einsatz in einer Linienfunktion oder Projektaufgabe wechseln kann und sogar muss, ist es durchaus vorstellbar, dass ein Arzt einmal die Rolle des behandelnden Spezialisten einnimmt und ein anderes Mal von seinen Kollegen als Beratungsspezialist für die Abgabe einer Zweitmeinung genutzt wird.

Dazu muss der jeweilige Zweitmeinungsspezialist auch gar nicht in demselben Krankenhaus arbeiten, sondern könnte im Klinikverbund mittels geeigneter technischer Infrastruktur zugeschaltet werden.”