Neuro: Zelluläres Signalmolekül verstärkt MS-Symptome

Durch Blockierung der NF-kB-aktivierenden Proteine IKK2 und NEMO kann die krankheitsfördernde Aktivität des Signalmoleküls allerdings unterbunden werden. NF-kB als Anhaltspunkt für neue Therapieansätze.

Quelle: Bild: embl.org Forscher Manolis Pasparakis
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Forscher Manolis Pasparakis

(pte/h-b.vt)  Göttingen/Monterotondo – Wissenschaftler der Abteilung Neuropathologie des Bereichs Humanmedizin der Georg-August-Universität Göttingen http://www.med.uni-goettingen.de sowie der Mouse Biology Unit des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL) im italienischen Monterotondo http://www.embl.org haben herausgefunden, dass die Symptome der Multiplen Sklerose (MS) durch ein zelluläres Signalmolekül namens NF-kB verstärkt werden. Durch Blockierung der NF-kB-aktivierenden Proteine IKK2 und NEMO kann die krankheitsfördernde Aktivität des Signalmoleküls allerdings unterbunden werden. Die Forscher hoffen, dass die neuen Erkenntnisse den Weg für neue Therapien gegen MS freimachen. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Onlineausgabe der Fachzeitschrift Nature Immunology http://www.nature.com/ni veröffentlicht.

„NF-kB ist ein zentrales Regulationsprotein, das an fast allen Entzündungsprozessen beteiligt ist“, erklärt Hauke Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Göttingen und Co-Autor der Studie, auf Nachfrage. Es war schon seit längerem bekannt, dass das Signalmolekül eine zentrale Komponente bei dem molekularen Mechanismus hinter der MS ist. „Wir wussten jedoch nicht, ob NF-kB die Gehirnzellen vor den Auswirkungen der Krankheit schützt oder die Situation verschlimmert“, so Manolis Pasparakis, ehemaliger Gruppenleiter an der EMBL Mouse Biology Unit und derzeitiger Professor am Institut für Genetik an der Universität Köln http://www.genetik.uni-koeln.de.

Anhand von Mausversuchen haben die Forscher nachweisen können, dass NF-kB die Zellen des körpereigenen Immunsystems, die den Körper normalerweise vor Infektionen schützen, bei MS-Patienten hyperaktiviert. Diese Immunzellen zerstören dadurch zunehmend die Markscheiden der Nervenzellen. Markscheiden sind schützende Hüllen aus Fetten und Proteinen, die für die Kommunikation der Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark entscheidend sind.

Durch Blockierung der Proteine IKK2 und NEMO in Gehirnzellen ist es den Forschern jetzt gelungen, die krankheitsverstärkende Aktivität von NF-kB zu beeinflussen und somit die MS-Symptome zu mildern. Aus diesem Grund sind diese beiden Proteine neue und viel versprechende Ziele für neue Therapien gegen Multiple Sklerose. „Die Ähnlichkeit zwischen Mensch und Maus ist recht verblüffend“, so Schmidt . Daher sei zu erwarten, dass IKK2 und NEMO beim Menschen auf ähnliche Weise blockiert werden können und dass auch hier die Krankheits-Symptome gemildert werden können. „Um das mit Sicherheit sagen zu können, sind allerdings klinische Untersuchungen erforderlich“, so Schmidt abchließend.

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